Bordgemeinschaft Schulfregatte "Brommy"

 

Die "BROMMY"  F 218 (RAULE - Klasse)

Die BROMMY wurde am 21. Januar 1943 in der Royal Navy als "HMS EGGESFORD" (L 15/F 15) in Dienst gestellt.

 - Einsatz im Mittelmeer. Am 12. Juni 1944 Versenkung des Schnellbootes S 153.

 - Ab 1945 Verwendung im Indischen Ozean.

 - Außerdienststellung Juli 1946 und Reserve.

 - Im November 1957 von der Bundesrepublik Deutschland angekauft.

 - Grundüberholung und Umbau in Pembroke-Dock

 

 - Übernahme am 14. April 1959 in Pembroke als EGGESFORD.

 - 14. Mai 1959 Indienststellung als BROMMY (F 218). Mit Indienststellung Schulschiff für

    Marineunterwasserwaffenschule.

 - Außerdienststellung am 30. April 1965.

 - Ab 8. Dezember 1965 Auflieger im Marinearsenal Wilhelmshaven.

 - Aussonderung am 20. Dezember 1967 (die offizielle Genehmigung dafür erfolgte erst mit

   dem 10. April 1970!).

 - 1971/72 Umbau zum Zielschiff im Marinearsenal Wilhelmshaven.

 - Ab 29. Februar 1972 als Zielschiff zur Verfügung des BWB und mehrfach mit Schlepper in die Biskaya als Ziel für Schnellboote der

   Klasse 148 (Juni/Juli 1973 und August/September 1977) verbracht.

 - Nach endgültiger Aussonderung am 19. Juni 1979 über die VEBEG zum Verkauf angeboten und am 21. Juni 1979 an die Fa. Jade-Stahl,

   Wilhelmshaven, verkauft.

 - Am 31. Juli 1979 zum Abbruch nach dort verholt.

 

   Indienststellungs- und Außerdienststellungbefehl

 

 

Technische Daten

 

Typ/Schiffbau: Schulfregatten, Klasse 138. Erbaut in Großbritannien als Geleitzerstörer der HUNT III-Klasse nach Entwürfen ab 1938/40, gemäß Kriegsbauergänzungsprogramm.Stahlbau (XIV Abteilungen) Seitenhöhe 5,26 m , aktive Schlingerdämpfungsanlage. Nach Umbau: ABC – Schutz. Vermessung: RAULE 1269,30 BRT; 349,41 NRT.
Maschinenanlage: Zwei Satz Parsons-Getriebeturbinen je 9500 PS/7000 kW, 380 u/min/Welle. Zwei Admiralitäts-Wasserrohrkessel mit natürlichem Umlauf und Überhitzerteil (Betriebsdruck 21 atü. Dampftemperatur 350°C, Dampfleistung 43 t/h). E-Anlage: Zwei Turbogeneratoren je 60 kW. Nach Umbau: Zwei Dieselgeneratoren je 180 PS/132 kW. Zwei vierflügelige Schrauben. Ein Ruder.
 

Waffenanlage: Bei Übernahme zwei 102-mm-Geschütze L/45 in Doppellafetten am Heck. Vier 2-Pdr-Pom Pom in Vierlingslafette. Zwei 533-mm-TR in Zwillingsgruppe, zwei U-Abwehr-Salvenwerfern HEDGEHOG am Bug. Diese Bewaffnung führte die BROMMY bis zur Außerdienststellung.RAULE nach Umbau: Eine 40-mm-Flak L/70, vier 375-mm-U-Jagdraketenwerfer Bofors in Vierergruppe, zwei 533-mm-Einzel-UTR.


Führungsmittel: Navigation mit Funkpeiler und Radar KH 14 bzw. ASR 10 • Waffenleit mit OGR 7, RAULE nach Umbau mit M 9/3 • Sonar: Asdic, RAULE nach Umbau M 5/1.


Ausrüstung: BROMMY zwei Kutter und Flöße, zehn Rettungsinseln. Zwei Buganker in Seitenklüsen. MES.

 

Folgenden Bericht erstellte Heinz Neumann OStBtsm a.D. : 

Schulfregatte „Brommy“

ex H.M.S „Eggesford“

Ein Zerstörer der „ Hunt-Class III “ wurde am 23. Juni 1941 auf der Bauwerft J.S. White in Cowes, Isle of Wight auf Kiel gelegt.
Nach fast 15 Monaten Bauzeit erfolgte am 12. September 1942 der Stapellauf und vier Monate später am 21. Januar 1943 wurde Eggesford von der britischen Navy übernommen und in Dienst gestellt.
Eggesford wurde der Mittelmeerflotte zugewiesen um in der 22. Zerstörer Flottille Dienst zu verrichten.
Die "Windsor Castle" 19141 BRT wurde von Torpedoflugzeugen angegriffen und versenkt; Eggersford und 2 weitere Zerstörer retteten alle Schiffbrüchigen bis auf einen Mann.
Bei der Landung der Alliierten auf Sizilien war sie bei der Beschießung maßgeblich beteiligt (Unternehmen "Husky").
Auch bei der Landung auf der Insel Panteleria war sie beteiligt. In der Adria kam sie mit S-Booten ins Gefecht. Ein S-Boot wurde versenkt. 10 Matrosen wurden gerettet und gingen in Gefangenschaft.
Am 24. November 1944 wurde sie mit 10 weiteren "Hunt-Class"-Zerstörern nach Ostindien beordert. Der Plan wurde aufgehoben, dafür ging sie am 17. Dezember 1944 zur 21. Z.-Flottille nach Sherness.
Am 17. Juni 1945 erfüllte sie der zurückgestellten Auftrag nach Ostindien.
Im November 1945 ging sie zurück nach England in die Reserve-Flotte bis Juli 1946.
Anschließend Außerdienststellung und Einmottung.

Die Armierung der Eggesford war folgende:

- Doppellafette: 10,2 cm vorne und achtern

- Vierling (Pompom): 2 cm Mitteldeck

- Zwilling: 2 cm Brückennocken

- Zwillingtorpedosatz: Mitteldeck

- Wasserbombenwerfer: achtern seitlich je 2 Stück

- Wasserbombenablaufgestelle: achteraus 2 Stück

- Hedgehogs: je Gestell 12 Projektile Backbord + Steuerbord

Für die Größe des Schiffes beachtliche Armierung, verglichen mit deutschen Zerstörern.

Ab 1. Mai 1958 wurden 12 Soldaten vom BMVg nach Pembroke Dock beordert, um mit folgenden Personen Bauaufsicht zu betreiben: 

- KL Niemeyer - STO

- OB Pagel - Unterstützung STO

- OB Brehm - Funker

- B Dollinski - Maschine (Kessel)

- B Schubert - Waffen

- OMt Neumann - Maschine (Turbine)

- OMt Huber - Decksdienst

- G Fischer - Motoren

- G Radke - Schreibdienst

- G Schnabbe - Maschine

- G v. Selasinski - Maschine

- G Walter - Maschine

Ein auf Reede liegendes eingemottetes Schiff lag bereit für eine Werftliegezeit von ca. ½ Jahr, woraus dann 1 Jahr wurde.
Es wurden in Höhe der Wasserlinie sämtliche Außenhautplatten erneuert, Schornstein erneuert, Mast überholt, vorderes Geschütz, Pompom-Torpedosatz, Wabo-Werfer entfernt. In Inneren des Schiffes diverse Umbauten vorgenommen. Für spätere Schulung des Unterwasserwaffen-Personals achtern ein Schulungsraum eingerichtet.
Die Brommy war einsatzbereit !
Nach Probefahrten und Restarbeiten ging die Heimreise am 28. April vonstatten. Zunächst nach Portland-Weymouth; reibungslose Ankunft in Bremerhaven. Nach einigen Tagen Fahrt zum bleibenden Standort Flensburg. Indienststellung: 14. Mai 1959. Aufnahme des Schulbetriebes für die Unterwasser-Waffenschule.
Hinsichtlich des fachlichen Erfahrungsaustausches waren Fahrten nach Den Helder (Holland) öfter im Programm. Die Kadettenausbildung, verbunden mit 3 Auslandsreisen, die rund um England, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Kreta und Malta führten, gehörte ebenso dazu. Navigationsbelehrungsfahrten für die Marineschule Mürwik, die weitesgehend nachts absolviert wurden, fanden ebenfalls wiederholt statt. In der Ferienzeit der Marineschule bekam das Schiff zur eigenen Ausbildung eine längere Nordlandreise in die norwegische Fjorde. Ferner wurden im Kattegatt mit modernsten Torpedos Versuche durchgeführt.
Die achtere Doppellafette (10,2 cm) blieb als letztes Geschütz von allen in England gekauften Fregatten erhalten. Die noch eingelagerte Munition für dieses Kaliber wurde für die Artillerieschule in Holtenau zur Ausbildung der Ari-Leitoffiziere im Ostsee-Schießgebiet auf Schleppscheiben etwa in 3 Wochen verschossen.
Als die Flutkatastrophe über Norddeutschland hereinbrach, befand sich die Brommy auf dem Weg zu einer Auslandsreise. Im Kanal, Höhe Dover kam sie in einen Sturm, der ihr bald zum Verhängnis wurde. Im Kesselraum 2 gingen durch die starken Erschütterungen im Schiff ständig die Wasserstandsgläser zu Bruch. Die Reserven waren aufgebraucht. Der Kessel musste abgesetzt (gelöscht) werden. Mit nur noch einem Kessel konnte die Fahrt gegen den Strom nicht mehr gehalten werden. Wir machten Fahrt achteraus in Richtung Callais.
Es musste ein Nothafen angelaufen werden. Es wurde Dover angesteuert; Lotsenunterstützung wurde wegen der zu hohen See abgelehnt. See querab, unglaubliche Krängung hielt die Brommy aus (also ein gutes seegehendes Schiff). Als der Molenkopf von Dover passiert war, waren wir erst einmal gerettet !
Noch ging die See höher und schlug über den Molenkopf - der Anker hielt nicht mehr und wir wurden auf die gegenüberliegende Mole getrieben. Nur einige Meter vor der Mole konnten wir Meter für Meter voraus fahren, kollidierten wegen zu geringer Ruderwirkung mit einem portugisischen Tanker, konnten aber schließlich Leinenverbindung herstellen und die Rettung war nun endgültig gelungen.
Der Schaden war erheblich: Loch in der Bordwand, Schergang und Kutter eingedrückt, Reelingstützen verbogen, Schanzkleid der 10,2 eingedrückt und ein Spantenriss im Turbinenraum. Freigabe des Schiffes nach Abflauen des Sturmes durch den Hafenkapitän von Dover. Wir liefen die Werft von Portsmouth zwecks Reparatur an. Es folgten zwei Werftliegezeiten in Newcastle. Generalüberholung bei HDW in Hamburg im Herbst 1965.
Die Besatzung wurde zu anderen Kommandos versetzt. Die Brommy sollte für besondere Aufgaben neu hergerichtet werden. Dieser Plan wurde jedoch wieder verworfen. Der Zulauf neuer Schiffe stand bevor. Mit 24 kn lief die Brommy von HDW Hamburg nach Wilhelmshaven. Sie ist später nie wieder in See gestochen.

Ich habe hier ein Vorkommnis geschildert, welches ich selbst auf der Brommy erlebte. Eines von vielen. Wie wäre es, wenn andere ehemalige Besatzungsmitglieder ebenfalls Erlebnisse aus ihrer Sicht schildern würden ? Vielleicht entstände daraus ein Sammelwerk !

Zum Schluss noch einige Erlebnisse:

Wir lagen zur Brennstoffübernahme in Gibraltar. Ich war zu der Zeit Pumpenmeister. Nach Beendigung musste gepeilt (gemessen) werden, wie viel wir gebunkert hatten. Der "Leitende" vergleicht Abgabe mit Übernahme. Es fehlten 20 Tonnen!
Der Ölprahm hatte schon abgelegt. Der "Leitende" rief hinterher: "Hello you, you hav mi bescheten um zwinty tons!" Man hatte ihn wahrscheinlich verstanden!

Wir lagen in Newcastle in der Werft. Ostern sollte es wieder nach Hause gehen. Der Brückenmaat, ein Berliner war erbost über die schleppende Tätigkeit der Werftarbeiten. Sie saßen auf der Brücke und genossen die Sonne. Der Maat in seinem "Pigeon-Englisch", die Hände in die Seiten gestützt sagte er: "Ei sink ei si not reit. All män sit hier and luck in se son und no män work !" Es zeigte Wirkung!

Heinz Neumann OStBtsm a.D. Kiel, 03/2002  

 

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