Bordgemeinschaft Schulfregatte "Brommy"

 

 

Wer war Brommy?

Karl Rudolph Bromme, genannt Brommy, wurde am 10. September 1804 in dem Leipziger Vorort Anger als fünftes Kind des Gerichtsschöffen Simon Bromme und dessen Ehefrau Friederike Louise, geb. Berthold,  geboren. Im 15. Lebensjahr ging er im Sommer 1819 nach Hamburg, um auf der dortigen Navigationsschule das Seemannshandwerk zu erlernen. Im Juli 1820 verließ er die Schule und fuhr als Schiffjunge >Moses< auf einem Hamburger Schiff  zur See.

Seine Reisen führten ihn hauptsächlich in die Karibik. 1822 wechselte Karl Rudolph Bromme in die Dienste der „Vereinigten Staaten Nordamerikas“ und fuhr auf dortigen Schiffen fast ununterbrochen zur See. In dieser Zeit wechselte er, der besseren Aussprache wegen, seinen Namen von Bromme in Brommy. Er muss in Amerika  allerdings sein „Steuermannspatent“ gemacht haben, denn 1826 wurde er zum „Capitain“ ernannt.

Dass Brommy unter dem englischen Admiral Cochrane am chilenischen und sogar am brasilianischen Krieg teilgenommen hat, ist weder belegt noch wahrscheinlich. Auch Brommy geht in keiner seiner bekannten Biographien darauf ein. Vermutlich liegt hier eine Verwechslung mit seinem Bruder Simon Traugott (1802 – 1865) vor, der sich tatsächlich längere Zeit in Südamerika aufgehalten hatte, jedoch  vornehmlich die Geographie studierte und darüber auch Bücher schrieb.

Brommy traf Cochrane tatsächlich erst in Griechenland; er hatte allerdings schon vorher von ihm gehört. Am 27. April 1827 trat Brommy in die griechische Marine ein, wurde erster Leutnant auf der Fregatte „Hellas“, Kommandant auf der Dampffregatte „Enterprise“, stellv. Kommandant auf der Korvette „Hydra“ (einer ehem. türkischen Fregatte). Cochrane hat 1828 entnervt die griechische Marine wieder verlassen, weil es angeblich wegen des Schiffsprogramms für die griechische  Flotte zu erheblichen Streitigkeiten mit der griechischen Staatsführung gekommen war.

Der Befreiungskrieg war 1829 zu Ende, aber die Griechen kamen nicht zu Ruhe. 1831 brach der Bürgerkrieg aus und Brommy verließ das Land, denn  „ …. dafür wollte er nicht sein Schwert führen!“ (Originalaussage Brommy in einem seiner Gedichte.) 1832, als Griechenland einen König (König Otto I.) erhielt, beantragte Brommy seine Wiedereinstellung in die nun königlich griechische Marine, was, vermutlich durch Fürsprache des griechischen Admirals Miaulis, der Brommy vom Krieg her kannte, sofort erfolgte.

Sehr schnell wurde Brommy Fregattenkapitän und Kommandant der beiden ältesten Dampfschiffe,

zunächst auf der „Hermes“, dann auf der „Merkur“. Er wurde Hafenkapitän in dem neu gegründeten Stützpunkt Poros, 1835 dort abgelöst, ging ins Marineministerium und wurde stellv. Kommandeur der griechischen Militärschule in Egina, die später auf den Piräus verlegt wurde. Brommys großer Traum war eine schwimmende Marineschule. In Griechenland blieb es ein Traum. 1843, als die zweite Revolution durch den Obristen Kalergis, der den König zwang, dem griechischen Volk endlich eine Verfassung zu geben,  ausbrach und alle Fremden das Land verlassen mussten, war Brommy einer der Wenigen, die bleiben durften. Er wurde stellv. Vorsitzender des Marinegerichtes, übernahm nur gelegentlich den Vorsitz, war aber von dieser Zeit an  nur geduldet. Bis zu seiner endgültigen Demission im April 1849 hatte Brommy es in Griechenland sehr schwer sich zu behaupten, er wurde, so würden wir heute sagen, gemobbt, wo es nur ging.  Ein Immediat – Gesuch an den preußischen König 1845 um Einstellung in die preußische Marine wurde mangels Bedarf abgelehnt und erst als er 1848 von der provisorischen Zentralgewalt aufgefordert wurde, sich nach Frankfurt/M, für die Unterstützung beim Aufbau einer deutschen Kriegsflotte, zu begeben, zögerte Brommy keinen Augenblick und traf Anfang 1849 in Frankfurt ein. Als der Vorsitzende der technischen Kommission, Prinz Adalbert von Preußen von seinem Posten abberufen wurde, übernahm Brommy, der noch von der griechischen Marine  zum Kapitän zur See befördert wurde,  als Seezeugmeister Nordsee die alleinige Verantwortung für den Aufbau der Flotte. Als Winterquartier der Flotte wurde Brake an der Unterweser ausgewählt und schließlich heiratete Brommy eine Brakerin, die Tochter des Großkaufmanns Groß.

Am 23. November 1849 wurde Brommy vom Reichsverweser Ferdinand zum Konteradmiral befördert.

Die Flotte war für Brommy die Erfüllung eines langgehegten Wunschtraumes. Umso schmerzlicher und niederschmetternder waren für ihn die Auflösung und die Versteigerung der Flotte 1853.

Brommy hatte sich von dieser Schmach nicht wieder erholt. Auch musste er  sogar um seine Pension kämpfen, bis ihm schließlich 250 Gulden monatlich zugestanden wurden.  Ein Versuch, in der österreichischen Marine in der technischen Abteilung in Mailand nochmals anzufangen, schlug aus gesundheitlichen Gründen fehl.

Brommy zog sich zurück, wurde krank und verstarb schließlich am 09. Januar 1860 in Bremen.

Eingehüllt in die von den Braker Jungfrauen genähten Nationalflagge „Schwarz/rot/gold“, die im Top seines Führungsschiffes „Hansa“ geweht hatte, wurde er auf dem Friedhof in Kirchhammelwarden bei Brake beigesetzt. Dort befinden sich auch heute noch das von Gönnern gepflegte Grab und der Gedenkstein Brommys.  

 

Brommy wurde auch schriftstellerisch tätig: In den Jahren 1831/1832 schrieb er unter dem Pseudonym R. Termo  „Skizzen aus dem Leben eines Seemannes“,  etwa ab 1840 eine Reihe von Gedichten und 1845 „Die Marine – eine gemeinverständliche Darstellung des gesamten Seewesens“; letzteres wurde 1848 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Quellen: Handschriftliche Biographien Brommys, sein Copierbuch, Dokumente aus Brommys Dienstzeit in Griechenland, Schriftenreihe des Schiffahrtsmuseum Brake.

Die Originaldokumente befinden sich in Dauerausleihe im Schiffahrtsmuseum Brake.

 

Autor:

Erwin Wagner, Fregattenkapitän a.D.,

Schiffahrtsmuseum Brake

 

 

 

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